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Obdachlosigkeit in der Region: Nicht wegsehen!

24.10.2019 CJD Elze « zur Übersicht

Unter dem Titel „Asphalt – Leben auf der Straße“ trafen am Dienstagvormittag spannende Gäste auf Schülerinnen und Schüler der CJD Christophorusschule Elze in einer Podiumsdiskussion mit dem Schwerpunkt der Obdachlosigkeit in unserer Region. Aber auch Wohnungsnot und Kinderarmut wurden in der angeregten Diskussion auf der Bühne der Aula des CJD besprochen. Religionslehrer Jens Hohmann und Internatsmitarbeiter Sozialpsychologe Ludger Kamphaus war es gemeinsam gelungen, Frau Dr. Margot Käßmann (als Herausgeberin des Magazins „Asphalt“), Herrn Ulrich Matthias, Redakteur bei „Asphalt“, sowie Thomas, einen Asphalt-Verkäufer, für eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema zu gewinnen. Sieben Schülerinnen und Schüler saßen mit auf der Bühne und stellten Fragen, von denen viele vorher im Unterricht von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern gesammelt worden waren. Aber auch Fragen aus dem Publikum wurden nach jedem Block zugelassen. Bei einem so hochkarätigen Gast wie Frau Dr. Margot Käßmann ging es natürlich zunächst auch um ihre Person. Sehr überzeugend und kompetent und außerdem sehr offen konnte sie zu allen Fragen Auskunft geben und verdeutlichte, wie wichtig ihr soziales Engagement im Allgemeinen, aber auch besonders als Herausgeberin des Magazins „Asphalt“ ist. Die Frage nach der Rolle, die die Religion und der Glaube in ihrem Leben spielen, beantwortete sie mit „Eine sehr große. Ich bin damit aufgewachsen und finde, dass man in unserer Welt zumindest über die Inhalte und Aussagen der Bibel Bescheid wissen muss, auch wenn man sich dann als Erwachsener vielleicht gegen die Kirche entscheidet.“ Ulrich Matthias, Redakteur für sozialpolitische Fragen bei „Asphalt“, stellte das Magazin selbst etwas genauer vor. „Asphalt“ wird in 15 Städten in Niedersachsen vertrieben und hat eine monatliche Auflage von zurzeit 22500 Exemplaren, die von etwa 140 Verkäufern veräußert werden. „Diese Zeitschriften werden ausschließlich von unseren Verkäufern verkauft. Sie können dazu täglich in die Vertriebstelle kommen und müssen dann die Ausgaben, die sie glauben, verkaufen zu können, zunächst selber für €1,10 pro Stück käuflich erwerben, um sie dann zu je €2,20 zu verkaufen. Den Gewinn behalten sie dann für sich. Dies hilft den Verkäufern nicht nur finanziell, sondern gibt ihnen auch die Möglichkeit, eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu entscheiden, was sie sich zutrauen und wie sie ihren Tag gestalten.“ Insbesondere dieser Aspekt war ganz besonders interessant für die Jugendlichen, die aber außerdem wissen wollten, welche Inhalte in „Asphalt“ zu finden seien. „Ganz viele unterschiedliche“, gab der Redakteur zurück. Sicherlich sei ein wesentlicher Aspekt immer ein sozialpolitisches Thema, das auch oft die Titelseite ausmachen würde. „Aber wir haben sehr viele andere Rubriken, die aus den verschiedensten Bereichen stammen.“ So hat „Asphalt“, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, auch schon diverse Auszeichnungen erhalten. Für den dritten Block konnten die Organisatoren einen Verkäufer des Magazins gewinnen. Er wollte nur mit Thomas angesprochen werden und erzählte sehr offen davon, wie er vor Jahren unverschuldet in die Obdachlosigkeit abgerutscht war und wie er sich – letztlich auch mit Hilfe von „Asphalt“ – wieder in ein selbstbestimmtes Leben zurückkämpfen konnte. Sehr eindringlich und absolut authentisch konnte er die Lebensbedingungen vieler Obdachloser darstellen, erklärte den Unterschied zwischen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit, hatte zu allen Bereichen Zahlen und wertvolle Informationen parat. „Mein Appell an alle ist vor allem: Nicht wegsehen! Die Menschen, die auf der Straße leben, sind oft einsam, freuen sich über Ansprache und Interesse an ihrem Schicksal, und die Verkäufer von „Asphalt“ gehören zu denen, denen es wichtig ist, dass sie den Menschen von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten können und ein meiner Ansicht nach richtig gutes Produkt verkaufen können.“ Spannende Diskussionspunkte waren danach noch die angespannte Wohnungssituation insbesondere in Großstädten, die Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus, Kinderarmut und die so genannte Reichensteuer. Alle drei Gäste waren in ihren Antworten sehr offen und erhielten oft spontanen Applaus aus dem Publikum, das aus den Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 10 bis 12 bestand. Zwei Schüler, Annika Bode und Arne Schade aus dem Jahrgang 12, fungierten als Moderatoren und hatten immer das richtige Timing, um den jeweiligen Block geschickt einzuleiten oder auch zu beenden. Alle Beteiligten konnten mit der Veranstaltung sehr zufrieden sein und stellten sich gern zum Schluss zu einem Gruppenfoto auf. Thomas bot noch einige „Asphalt“-Ausgaben zum Verkauf an und erzählte auch von sozialen Stadtführungen, die er im Auftrag von „Asphalt“ häufig durchführe. Das war eine runde Veranstaltung, die allen Zuhörern einen interessanten Einblick in das Leben auf der Straße, aber auch in viele andere Aspekte gab. Viele werden hoffentlich nun dem Magazin „Asphalt“, aber auch den Verkäufern wesentlich offener begegnen.